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„85% der Leser beginnen mit der Lektüre einer Seite über ein Foto."
Prinzipiell ist das Wort dem Bild überlegen, insofern ein Text einen Sachverhalt oder ein Ereignis und dessen Bedeutung faktisch und sachlich genau beschreibt und verständlich macht. Doch Fotografien konkretisieren abstrakte Textaussagen und verstärken sie noch zusätzlich, da sie eine allen verständliche Sprache sprechen und damit ein ideales Mittel darstellen, die Wirklichkeit authentisch zu reproduzieren und ein „Fenster zur Welt zu öffnen.“ Fotografien besitzen ein höheres Wirkungspotential als Texte und verfehlen ihre Wirkung daher nur selten (Vgl. Eisermann 2000).
Eine Ursache dafür liegt unter anderem darin, dass Fotografien in der Erinnerung eine tiefere Wirkung hinterlassen. Die Grundeinheit beim Erinnern bleibt das einzelne Bild, da das Gedächtnis mit Standbildern arbeitet, mit dem sich Empfindungen eher verbinden lassen als mit Schlagwörtern. Das Foto bildet eine Methode, etwas schnell zu erfassen. Texte können Sachverhalte besser verständlich machen und genauer erklären, doch das Foto fesselt stärker - bereits auf dem ersten Blick - und bleibt dadurch länger in unserem Gedächtnis haften. Das von einer Kamera hergestellte Bild fungiert dabei als tatsächliche Spur von dem, was vor das Objektiv gerückt wird (Vgl. Sontag 2003).
Einem Foto haftet ein klarer Dokumentarcharakter an. Es ermöglicht dem Betrachter „als vermeintlicher Augenzeuge an der dargestellten Szene teilzuhaben“ (Eisermann 2000: 95). Dieses Charakteristikum war schon immer dem Bedürfnis nach illustrierter Berichterstattung geschuldet, das durch zwei sich multiplizierende Faktoren potenziert wird. Zum einen durch die Möglichkeit des Betrachters, visuellen Einblick in Ereignisse zu erhalten und zum Anderen durch den emotionalen Wirkungsgehalt der Fotografie (Vgl. Eisermann 2000: 95).
Verallgemeinert kann gesagt werden, dass Fotografien zwei gegensätzliche Merkmale miteinander verbinden. Einerseits die Garantie für Objektivität und andererseits die Ansicht aus einem bestimmten Blickwinkel. Das heißt, dass ein Foto als unanfechtbare Wiedergabe von etwas Realem gilt, da die Aufzeichnung von einer Maschine besorgt wurde, ohne direkte menschliche Einwirkung. Gleichzeitig bezeugen Fotos etwas Reales, denn jemand war zugegen gewesen, um es aufzunehmen. Der Blickwinkel dieser Person bildet den subjektiven Teil des Bildes, da er durch individuelle Einflüsse des fotografisch-technischen Vorgangs beeinflusst wird. Fotos können dadurch objektive Wiedergabe und persönliche Aussage zugleich sein (Vgl. Sontag 2003).
Quellen:
Sontag, Susan, 2003: Das Leiden anderer betrachten. München, Carl Hanser Verlag Eisermann, Maczkiewitz, Zühlke, 2000: Propaganda. Von der Macht des Wortes zur Macht der Bilder. 20th Century imaginarium.2, Hamburg, Ingrid Kämpfer Verlag Eisermann, Thilo, 2000: Pressephotographie und Informationskontrolle im Ersten Weltkrieg. 20th Century imaginarium.3. Hamburg, Ingrid Kämpfer Verlag
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